Impfungen

Impfungen sind ein heiß diskutiertes Thema: 

Was impft man, wie und wann?

Vieles dazu sollte im persönlichen Gespräch erklärt werden, hier nur einige kurze Fakten und Entwicklungen der neuesten immunologischen Forschung.

Es gibt im Zeitalter der Medientechnologie eine Vielzahl von Informationquellen, z.B die ständige Impfkommission für Tiere (ähnlich der StIKo beim Menschen), die Internetseiten der Universitätskliniken etc., wo man Empfehlungen zu Impfungen nachlesen kann.

Die Empfehlungen weichen jedoch z.T. erheblich voneinander ab !

Die aktuell beste Informationsquelle meiner Ansicht nach stellt die WSAVA da, die es sich ausdrücklich zum Ziel gesetzt hat, einerseits jegliche nachteilige Reaktion auf eine Impfung zu vermeiden und andererseits eine Evidenz basierte (d.h. auf Grundlage von gemachten, gesammelten und dokumentierten Erfahrungen) medizinische Praxis zu gewährleisten.

Sämtliche Informationen finden Sie hier:

https://wsava.org/global-guidelines/vaccination-guidelines/

Zusammengestellt wurden sie von den 4 weltweit führenden Immunologen aus Großbritannien, den Niederlanden, USA und Australien.

Es geht darum, alles Unnötige zu vermeiden: sowohl die sogenannten Non-Core-Impfungen wo nicht absolut überlebensnotwendig, als auch die überflüssige Wiederholung von Core-Impfungen. Serologische Labortests bestätigen nachweislich den aktuellen Antikörper-Titer (Impftiter) und werden von den Experten dringend empfohlen !

 

Es gibt aus meiner Sicht keine 0815 Standart-Impfempfehlung für alle, sondern immer nur eine individuelle, auf das einzelne Tier mit seinem Besitzer, Umgebung, Fütterung usw. angepasste Impfberatung.

 

Hier kurz & knapp ein paar Fakten, die den Impfmodus in meiner Praxis beeinflussen:

 

1. Tragende Hündinnen und Kätzinnen statten ihren ungeborenen Nachwuchs mit einem kompetenten Immunsystem aus, nach der Geburt setzt es sich mit seiner Umwelt auseinander und wird über die Muttermilch noch weiter mit Abwehrstoffen versorgt. Ist das Muttertier geimpft oder hat nach überstandener Infektion einen guten Antikörper (Abwehr)-Titer, werden die Jungtiere noch mindestens bis zu 3 Wochen nach dem Absetzen geschützt.

 

2. Frühestens im Alter von 8 Wochen wird der Welpe das erste Mal aktiv immunisiert, dann beginnt die Menge an mütterlichen Antikörpern zu sinken und sein eigenes Immunsystem setzt sich mit den gespritzten Impfstämmen auseinander.

Wobei neuere Untersuchungen nahelegen, entweder zuerst den aktuellen Antikörper-Status des Welpen durch eine Titer-Messung festzustellen oder tatsächlich noch länger mit der Impfung zu warten, um die Neutralisation durch mütterliche Antikörper zu umgehen.  Erst wenn die mütterliche Abwehr komplett verschwunden ist, kann das eigene Immunsystem aktiv werden und adäquat auf die Impfung reagieren.

 

3. Im Alter von 14-16 Wochen folgt dann, wenn der Titertest mit 8 Wochen positiv war, die erste Impfung. War er tatsächlich negativ und es konnten keine mütterlichen Antikörper nachgewiesen werden, wurde zu dem Zeitpunkt bereist die erste Impfung appliziert und man macht jetzt den Titertest, um das "Angehen" der ersten Spritze nachzuweisen. 

Es kann nämlich auch den seltenen Fall des Impfversagers geben, weil das Immunsystem aus welchen Gründen auch immer nicht in der Lage ist aktiv zu werden oder der Impfstoff inaktiv/zerfallen/... ist.

 

4. Jede Impfung fordert das Immunsystem auf´s Neue heraus und hinterlässt eine belastbarere Immunität, daher führe ich Sequenz-Impfungen durch.  Das bedeutet, das soweit möglich Staupe/Hepatitis/Parvovirose und Tollwut nicht zusammen, sondern zeitlich versetzt geimpft werden. Leptospirose wird nur nach Bedarf verabreicht.

 

5. Eine Tollwutimpfung wird beim Reisen mit Hund benötigt, auch manche Hundeschule setzen sie voraus.  Ich gebe sie - wenn möglich - erst ab dem Alter von 6 Monaten, wenn der Zahnwechsel abgeschlossen ist.

Nach der Grundimmunisierung hält sie 3 Jahre und kann dann - je nach verwendetem Impfstoff - im 3 jährigen Abstand wiederholt werden.

 

6. Den Antikörperstatus des Tieres in Bezug auf Staupe/Hepatitis/Parvovirose kann man immer mit wenigen Millilitern Blut mittels eines zuverlässigen Schnelltests bestimmen. Das erspart eine unnötige Impfung und gibt Auskunft über das Vorhandensein von Antikörpern.

 

7. Leptospirose kommt bei verschiedenen Tierarten und dem Menschen vor und wird von Bakterien (den sogenannten Spirochäten) hervorgerufen.

Sie nur regional verbreitet sind, lieben feucht-warme Umgebung und sterben in Trockenheit.

Bei Mensch, Schaf und Schwein ist es in Deutschland eine meldepflichtige Erkrankung !

Es sind jüngere Tiere eher gefährdet als ältere und die Symptome reichen von Nierenversagen, Hirnhautentzündung, Gelbsucht mit blutigem Urin bis zu beim Menschen grippeähnlichen, Malaria-artigen Fieberschüben.  Infektionen finden über eine geschädigte Hautbarriere oder Schleimhäute statt.  Bei Hund und Katze kann das beim Pfützen trinken passieren, für Menschen besteht als Erdbeerpflücker und in Überschwemmungsgebieten das Risiko der Infektion. Die Inkubationszeit beträgt 2-20 Tage.

Eine Impfung gibt es bislang nur für Hund und Katze. Dabei wird das Immunsystem nicht mit einem ähnlichen Langzeitschutz ausgestattet wie eine Impfung gegen Viren ihn hinterlassen, daher gibt der Hersteller eine jährliche Auffrischung vor.

In Deutschland gehört die L 4 (weil 4 verschiedene Leptospirose-Impfstämme enthalten sind) zu den Core-Impfungen, bei der WSAVA zählt sie zur Non-Core-Gruppe.

 

8. Für Katzen gibt es seit einigen Jahren einen Adjuvans-freien Impfstoff, der kein Aluminiumhydroxid, Thiomersal etc. enthält. Adjuvantien sind Hilfsstoffe in Form eines Lösungsvermittlers, die einerseits eine Öl-in-Wasser Lösung ermöglichen sollen, andererseits auch als Wirkungsverstärker dienen, indem sie den Impfstoff "verbreitern",  sodaß auch gegen Varianten des Impfvirus Antikörper gebildet werden.

Bei der Frage nach der Notwendigkeit von Adjuvans in Impfstoffen scheiden sich die kollegialen und wissenschaftlichen Geister, ich habe mich im Sinne von "so viel wie nötig - so wenig wie möglich" entschieden und verwende soweit wie möglich Adjuvans-freie Impfstoffe.

 

Haben Sie noch Fragen?

Sprechen Sie mich beim nächsten Besuch darauf an.